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Wie lange eine Zertifizierung dauert

Die häufigste Frage bei Zertifizierungsprojekten lautet: Schaffen wir das bis zum Termin des Kunden? Die ehrliche Antwort hängt an einer Phase, die sich nicht komprimieren lässt.

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Planung der Audittage an einem Jahreskalender

Die Dauer einer Zertifizierung wird fast immer unterschätzt — und zwar an einer bestimmten Stelle. Nicht das Audit dauert lange, sondern der Nachweis, dass das System läuft.

Die vier Phasen

1. Aufbau (2 bis 6 Monate). Prozesse festlegen, Verantwortlichkeiten klären, Dokumente erstellen. Die Dauer hängt fast ausschließlich von der internen Kapazität ab, nicht vom Umfang der Norm.

2. Betrieb und Nachweis (mindestens 3 Monate). Die Phase, die sich nicht abkürzen lässt. Das System muss laufen und Spuren hinterlassen: Aufzeichnungen, ein vollständiger interner Auditzyklus, eine Managementbewertung, dokumentierte Korrekturmaßnahmen.

3. Zertifizierungsverfahren (2 bis 4 Monate). Angebot, Vertrag, Stufe-1-Audit, vier bis acht Wochen Abarbeitungszeit, Stufe-2-Audit, Entscheidung.

4. Nach dem Audit (2 bis 8 Wochen). Abweichungen schließen, unabhängige Zertifikatsentscheidung, Ausstellung.

Realistische Gesamtdauer

AusgangslageBis zum Zertifikat
Kein Managementsystem, kleines Unternehmen6 bis 9 Monate
Kein Managementsystem, mehrere Standorte9 bis 15 Monate
Gewachsene Dokumentation, aber unsystematisch5 bis 8 Monate
Bestehendes System nach anderer Norm3 bis 6 Monate
Erweiterung eines bestehenden Zertifikats2 bis 4 Monate

Was sich beschleunigen lässt — und was nicht

Beschleunigbar: Der Aufbau, durch Freistellung interner Kapazität oder externe Unterstützung. Die Terminfindung, durch frühzeitige Reservierung. Die Abarbeitung zwischen Stufe 1 und 2, durch Vorbereitung.

Nicht beschleunigbar: Die Betriebs- und Nachweisphase. Ein internes Auditprogramm, das an einem Tag durchgezogen wurde, ist erkennbar. Aufzeichnungen aus drei Wochen belegen keinen laufenden Betrieb. Auditoren sehen das an den Daten der Dokumente, und es führt zu Feststellungen genau in den Kapiteln, die Wirksamkeit prüfen.

Die Phase, die in keinem Zeitplan steht

Zwischen der Entscheidung zu zertifizieren und dem Stufe-1-Audit liegt ein Beschaffungsvorgang, den die meisten Pläne überspringen. Angebote einholen, vergleichbar machen, Rückfragen klären, intern entscheiden, Vertrag prüfen und unterschreiben: Bei drei Anbietern sind das realistisch vier bis acht Wochen — und zwar bevor die Zertifizierungsstelle überhaupt einen Termin vergibt. Wie sich diese Phase straffen lässt, ohne die Vergleichbarkeit zu verlieren, steht unter Angebote vergleichen.

Zwei weitere Wartezeiten werden regelmäßig übersehen. Erstens die Zertifizierungsentscheidung: Sie trifft nicht der Auditor, sondern eine unabhängige Instanz innerhalb der Zertifizierungsstelle, die den Bericht bewertet. Das dauert nach dem letzten Audittag Wochen, nicht Tage. Zweitens der Unterschied zwischen auditiert und zertifiziert. Solange die Entscheidung aussteht, haben Sie keinen Nachweis, den Sie einem Auftraggeber vorlegen können. Wer Zusagen macht, sollte sich am Ausstellungsdatum orientieren, nicht am Audittermin.

Woran Zeitpläne in der Praxis reißen

Die internen Audits haben selbst Vorlauf. Interne Auditoren müssen benannt und geschult sein, das Programm muss stehen, die Ergebnisse müssen bearbeitet sein. Wer das erst plant, wenn die Dokumentation fertig ist, verliert einen weiteren Monat.

Der Auditorenmarkt ist saisonal. Das vierte Quartal ist regelmäßig ausgebucht, weil viele Zyklen zum Jahresende laufen; dazu kommen Ferienzeiten. Ein Wunschtermin im November, drei Monate vorher angefragt, ist häufig nicht zu bekommen. Das ist keine Frage des Preises.

Mehrere Standorte verlängern doppelt. Nicht nur wegen zusätzlicher Audittage, sondern weil das interne Auditprogramm alle Standorte abgedeckt haben muss, bevor Stufe 2 sinnvoll ist. Bei einem Stichprobenverfahren kommt der Nachweis der zentralen Steuerung hinzu, siehe Multi-Site-Verfahren.

Es fehlen Entscheidungen, nicht Dokumente. Der häufigste stille Verzögerer ist eine offene Frage, die niemand entscheiden darf: Wer gibt Lieferanten frei? Wer stoppt eine Lieferung? Solange das ungeklärt ist, entsteht keine belastbare Prozessbeschreibung — und das löst kein Berater.

Die Nachweisphase startet später als gedacht. Sie beginnt nicht mit dem ersten Dokument, sondern wenn der Prozess so läuft, wie er beschrieben ist. Wer im Monat vier noch die Freigabesystematik ändert, hat die drei Monate Betriebsnachweis ab Monat vier, nicht ab Monat eins.

Der Zusammenhang mit den Kosten

Zeitdruck verteuert die Vorbereitung, nicht das Audit. Wer sechs Monate Zeit hat, verteilt die Arbeit intern. Wer drei Monate hat, kauft Beratungstage zu — und trägt zusätzlich das Risiko eines Nachaudits, wenn die Vorbereitung nicht reicht.

Der teuerste Fall ist der abgebrochene Termin: Stufe 2 findet statt, endet mit einer Hauptabweichung, und es braucht ein Nachaudit mit erneuter Anreise. Das kostet mehr als jede Beratung, die es verhindert hätte.

Praktische Planung mit Kundentermin

Wenn ein Auftraggeber ein Datum vorgibt:

  1. Rückwärts rechnen. Zertifikat minus vier Wochen Entscheidung minus Stufe 2 minus sechs Wochen minus Stufe 1 minus drei Monate Nachweisphase.
  2. Den Auditslot früh reservieren, auch wenn der Systemstand noch unsicher ist.
  3. Mit dem Kunden sprechen. Viele Auftraggeber akzeptieren einen belastbaren Projektplan mit Zertifizierungstermin als Zwischenlösung, wenn er realistisch ist und eingehalten wird.
  4. Den Geltungsbereich prüfen. Ein enger geschnittener Bereich kann den Termin retten und später erweitert werden.

Häufige Fragen

Können wir in drei Monaten zertifiziert sein?

Nur wenn ein Managementsystem bereits läuft und lediglich formalisiert werden muss. Aus dem Stand ist es nicht möglich — nicht wegen der Zertifizierungsstelle, sondern weil die Norm Nachweise über einen gelebten Betriebszeitraum verlangt: interne Audits, Managementbewertung, Aufzeichnungen aus dem laufenden Betrieb. Diese Belege lassen sich nicht rückwirkend erzeugen.

Was ist der häufigste Grund für Verzögerungen?

Interne Kapazität. Die Aufgabe wird zusätzlich zum Tagesgeschäft verteilt, ohne dass jemand freigestellt wird. Dann verschieben sich Prozessbeschreibungen um Wochen, das interne Audit rutscht, und der Audittermin muss verlegt werden. Der zweithäufigste Grund sind unklare Entscheidungen: Wenn niemand befugt ist festzulegen, wie ein Prozess künftig läuft, entsteht keine Dokumentation.

Wie schnell bekomme ich einen Audittermin?

Je nach Stelle, Norm und Jahreszeit zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Zum Jahresende sind Auditoren regelmäßig ausgebucht. Wenn Sie einen festen Kundentermin haben, reservieren Sie den Auditslot früh — Sie können ihn eher verschieben als kurzfristig bekommen.

Kostet ein enger Zeitplan mehr?

Meist ja, aber nicht bei der Zertifizierungsstelle. Teurer wird die Vorbereitung: Wer wenig Zeit hat, kauft mehr Beratungstage ein, um intern schneller voranzukommen. Dazu kommt das Risiko eines schlecht vorbereiteten Audits mit Nachaudit — der teuerste Weg.

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