Der Tagessatz ist der Posten, bei dem Anbieter tatsächlich konkurrieren. Während die Zahl der Audittage durch das Regelwerk weitgehend vorgegeben ist, kalkuliert jede Zertifizierungsstelle ihren Satz selbst.
Marktübliche Spannen
| Leistung | Spanne netto je Tag |
|---|---|
| Zertifizierungsaudit | 1.000 bis 1.600 € |
| Beratung zur Vorbereitung | 900 bis 1.400 € |
| Spezialisierte Auditoren (Medizin, Automotive, Luftfahrt) | Am oberen Ende oder darüber |
Diese Werte sind Marktbeobachtungen, keine Preisliste. Sie liegen den Berechnungen im Kostenrechner zugrunde und dienen der Größenordnung.
Was die Höhe bestimmt
Die Norm. Auditoren für ISO 9001 sind breit verfügbar. Für ISO 13485, IATF 16949 oder EN 9100 braucht es zusätzliche Zulassungen und Branchenerfahrung — das verknappt das Angebot.
Die Branche. Regulierte Bereiche mit hohem Haftungsrisiko schlagen sich im Satz nieder.
Die Sprache. Audits in englischer Sprache oder mit Dolmetscher an ausländischen Standorten kosten mehr.
Die Größe der Stelle. Große Prüforganisationen haben höhere Gemeinkosten, bringen aber Bekanntheit und Kapazität mit. Kleinere Stellen kalkulieren oft günstiger und sind flexibler.
Die Nebenkosten
Der Tagessatz ist nicht die ganze Rechnung. Regelmäßig kommen hinzu:
- Reisekosten. Anfahrt, Übernachtung, Verpflegung. Bei mehrtägigen Audits mit weiter Anreise ein relevanter Posten — und der einzige, den Sie durch die Anbieterwahl vollständig vermeiden können.
- Zertifikatsgebühr. Für Ausstellung und Registerführung, meist ein niedriger dreistelliger Betrag pro Jahr.
- Vorbereitung und Berichtserstellung. Je nach Anbieter enthalten oder zusätzlich.
- Nachaudits. Falls Abweichungen einen erneuten Besuch erfordern.
- Änderungen am Geltungsbereich. Erweiterungen während der Laufzeit lösen zusätzlichen Aufwand aus.
Auditor und Berater sind zwei Märkte
Die beiden Sätze sehen im Angebot ähnlich aus und folgen unterschiedlicher Logik. Der Auditor verkauft Prüfzeit, deren Menge nach IAF MD 5 feststeht: Sein Satz ist verhandelbar, seine Tage nicht. Der Berater verkauft Arbeitszeit, deren Menge frei vereinbart wird — hier ist beides verhandelbar, und die Zahl der Tage ist der weit größere Hebel als der Satz. Wer beim Berater zehn Prozent auf den Tagessatz herausholt, aber drei Tage zu viel einkauft, hat schlecht verhandelt. Den Unterschied beschreibt der Eintrag zum Beratertagessatz.
Daraus folgt eine einfache Regel: Beim Auditangebot verhandeln Sie über den Preis, beim Beratungsangebot über den Umfang. Ein Beratungsangebot ohne Leistungsverzeichnis ist kein Angebot, sondern eine Absichtserklärung.
Was im Tagessatz nicht steckt
Am häufigsten übersehen wird die Reisezeit. Manche Stellen berechnen sie nicht, andere anteilig, andere als vollen Tag, wenn die Anreise einen Arbeitstag verbraucht. Bei einem Auditor, der zweimal quer durch die Republik fährt, ist das ein Unterschied von zwei Tagessätzen — mehr, als jede Preisverhandlung einbringt. Wie Pauschalen dafür aufgebaut sind, steht unter Reisekostenpauschale.
Ebenfalls unterschiedlich gehandhabt werden die Erstellung des Auditberichts, die Bewertung eingereichter Korrekturmaßnahmen und die Prüfung nachgereichter Nachweise. Bei Abweichungen ist das kein Randposten. Fragen Sie deshalb nicht, was der Tag kostet, sondern welche Leistungen mit dem Tagessatz abgegolten sind und welche zusätzlich berechnet werden.
Der Satz gilt oft nur für das erste Jahr
Der verbreitetste Fallstrick steht im Vertrag, nicht im Angebot: Der genannte Tagessatz bezieht sich auf die Erstzertifizierung, die Folgejahre werden nach der jeweils gültigen Preisliste abgerechnet. Damit ist Ihre Kalkulation für zwei Drittel der Zyklusrechnung offen, und Sie sind vertraglich gebunden. Wie solche Klauseln wirken, steht unter Preisgleitklausel.
Verhandeln Sie den Satz für den vollen Zyklus oder lassen Sie zumindest eine Obergrenze für die Anpassung festschreiben. Der Zeitpunkt dafür ist vor der Unterschrift. Danach ist die Position verloren, weil ein Anbieterwechsel mitten im Zyklus einen Übertrag des Zertifikats und in der Regel zusätzlichen Prüfaufwand bedeutet — siehe Zertifizierungsvertrag.
Der Maßstab, den kaum jemand ansetzt
Ob ein Tagessatz teuer ist, lässt sich am Satz allein nicht beurteilen. Der ehrliche Vergleich ist der eigene: Was kostet ein Tag interner Arbeit an derselben Sache? Wer die eigene Zeit mit dem internen Stundensatz bewertet, stellt regelmäßig fest, dass ein teurer Berater, der drei Tage spart, günstiger ist als ein billiger, der zwei Wochen Eigenleistung nach sich zieht.
Für Auditoren gilt das nicht. Deren Tage sind gesetzt. Hier zählt allein der Preis je Tag und was er umfasst.
So verhandeln Sie sinnvoll
Nicht über die Audittage. Das führt bei einer akkreditierten Stelle zu nichts und wirft ein schlechtes Licht auf den Verhandelnden.
Über den Tagessatz. Besonders bei mehrjähriger Bindung über den gesamten Zyklus.
Über die Reisekosten. Regionale Anbieter einbeziehen, Pauschalen vereinbaren, Audittermine bündeln.
Über den Zyklus statt über das Erstaudit. Lassen Sie sich die Konditionen für Überwachungsaudits und Rezertifizierung verbindlich mit anbieten. Ein günstiges Erstaudit mit teuren Folgejahren ist ein verbreitetes Muster.
Über die Bündelung. Wer mehrere Normen oder mehrere Gesellschaften zertifizieren lässt, verhandelt aus einer besseren Position.
