EN 9100 — Kosten

Was kostet eine Zertifizierung nach EN 9100?

EN 9100 ist ISO 9001 plus Luftfahrt — aber der Aufpreis steckt nicht in den Zusatzkapiteln. Er steckt im Schema dahinter: vorgegebene Audittage, ein kleiner Auditorenkreis und Nachweise, die ISO 9001 nie verlangt.

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Luftfahrtzulieferer kalkuliert die Kosten einer Zertifizierung nach EN 9100

EN 9100: Kostenbandbreite nach Unternehmensgröße

Berechnet nach der Audittage-Tabelle des Regelwerks IAF MD 5, mit marktüblichen Tagessätzen von 1.000 bis 1.600 Euro für Audits und 900 bis 1.400 Euro für Beratung. Angenommen sind ein Standort, mittlere Komplexität und ein Unternehmen, das bereits teilweise vorbereitet ist. Alle Beträge netto.

AusgangslageAudittageErstauditBeratung3 Jahre gesamt
Kleinbetrieb8 Mitarbeitende23.000–4.200 €5.400–8.400 €11.080–16.888 €
Kleines Unternehmen20 Mitarbeitende34.000–5.800 €5.400–8.400 €13.420–20.632 €
Mittelstand60 Mitarbeitende56.000–9.000 €5.400–8.400 €18.100–28.120 €
Größerer Mittelstand150 Mitarbeitende89.000–13.800 €5.400–8.400 €25.120–39.352 €

Mit Ihren eigenen Zahlen rechnen →

Bei EN 9100 dominiert nicht der Normtext, sondern das Verfahren drumherum. Inhaltlich ist EN 9100 die ISO 9001 mit Erweiterungen für Konfigurationsmanagement, Erstmusterprüfung, Risikosteuerung, Produktsicherheit und den Umgang mit gefälschten Teilen. Diese Kapitel kosten Aufbauarbeit, aber keine dramatischen Beträge. Teuer wird das Zertifizierungsschema der Luftfahrtindustrie: vorgegebene Audittage, ein enger Kreis zugelassener Auditoren, zusätzliche Berichtszeit und eine Datenbank, in der das Ergebnis veröffentlicht wird.

Der wichtigste Kostenhebel steht deshalb vor allen anderen und wird oft übersprungen: die Wahl der richtigen Norm der Reihe. EN 9100 gilt für Betriebe, die entwickeln und fertigen. Für Instandhaltung gibt es EN 9110, für Handel und Lagerhaltung EN 9120. Ein Distributor, der EN 9100 anstrebt, weil sie bekannter klingt, zahlt für Anforderungen, die ihn nicht betreffen — Fertigungslenkung, Sonderprozesse, Entwicklungsnachweise. Klären Sie diese Frage mit Ihrem Kunden, bevor Sie ein Angebot einholen.

Der zweite Punkt, den Betriebe aus dem allgemeinen Maschinenbau unterschätzen: In der Luftfahrt wird das Auditergebnis öffentlich. Zertifikat und Status stehen in einer Branchendatenbank, in die Kunden hineinsehen. Ein ausgesetztes oder abgelaufenes Zertifikat fällt damit sofort auf, ohne dass jemand nachfragen muss. Das erhöht den Druck, Termine einzuhalten — und Termindruck ist bei einem knappen Auditorenkreis das teuerste, was passieren kann.

Die Kostenblöcke im Einzelnen

1. Das Audit nach dem Branchenschema. Die Audittage folgen nicht IAF MD 5, sondern den Regeln der Luftfahrtindustrie. Sie enthalten neben der Zeit vor Ort auch Zeiten für Vorbereitung und Berichterstattung, weil das Schema eine Bewertung einzelner Prozesse mit eigenen Berichten verlangt. Diese Berichtstage sind abrechenbar und der häufigste Grund dafür, dass ein EN-9100-Angebot höher liegt als erwartet, obwohl die Tage vor Ort ähnlich aussehen wie bei ISO 9001.

2. Der Auditorenkreis. Auditoren müssen für die Luftfahrt zugelassen und in der Branchendatenbank geführt sein. Der Kreis ist klein. Das wirkt auf den Tagessatz, auf die Reisekosten und vor allem auf die Vorlaufzeit. Termine ein halbes Jahr im Voraus zu binden, ist in diesem Umfeld die Regel, nicht die Ausnahme — und wer wegen einer Kundenforderung unter Zeitdruck steht, hat keine Verhandlungsposition.

3. Eintrag und Pflege in der Branchendatenbank. Ein Zertifikat gilt nur, wenn es in OASIS veröffentlicht ist. Für Eintrag und Pflege fallen Gebühren an, die entweder über die Zertifizierungsstelle laufen oder direkt erhoben werden. Der Betrag ist klein, aber er ist ein eigener Posten und gehört in den Angebotsvergleich. Fragen Sie ausdrücklich danach, sonst steht er später auf einer separaten Rechnung.

4. Konfigurationsmanagement und Erstmusterprüfung. Zwei Anforderungen, die ISO 9001 nicht kennt. Konfigurationsmanagement bedeutet, dass jederzeit belegbar ist, welcher Stand eines Teils mit welchen Änderungen wohin geliefert wurde. Die Erstmusterprüfung verlangt einen vollständigen dokumentierten Nachweis, dass ein Fertigungsprozess das geforderte Teil erzeugt. Beides ist Aufbauarbeit in der Fertigungssteuerung, nicht im Qualitätshandbuch — und genau deshalb aufwendiger, als es klingt.

5. Sonderprozesse. Wärmebehandlung, Oberflächenbehandlung, zerstörungsfreie Prüfung, Schweißen, Kleben. Wer diese Prozesse selbst betreibt, braucht qualifiziertes Personal, qualifizierte Verfahren und häufig eine zusätzliche Anerkennung nach dem Nadcap-Programm. Das ist ein eigenes Verfahren mit eigenen Kosten, und bei einzelnen Prozessen übersteigt es die EN-9100-Zertifizierung. Wer Sonderprozesse zukauft, verlagert diese Kosten zum Lieferanten und zahlt sie im Einkaufspreis — aber planbar.

6. Kennzahlen zur Kundenleistung. Bewertet wird auch, wie zuverlässig Sie tatsächlich liefern und wie Reklamationen bearbeitet werden. Ein System, das auf dem Papier funktioniert, während die Liefertreue schlecht ist, führt zu Feststellungen. Betriebe unterschätzen diesen Punkt regelmäßig, weil ISO-9001-Audits selten so direkt an der Leistung ansetzen.

7. Die laufende Last. Der Drei-Jahres-Zyklus mit jährlichen Überwachungsaudits gilt auch hier, wobei der Umfang der Zwischenaudits ebenfalls über das Schema geregelt ist. Wer nur die Erstzertifizierung budgetiert, plant den größeren Teil nicht ein — die Mechanik dazu beschreibt der Beitrag warum das Erstaudit nur ein Drittel der Rechnung ist.

Was den Preis nach oben treibt

FaktorWirkung auf die Kosten
Eigene Entwicklung im GeltungsbereichZusätzlicher Prüfbereich mit Nachweisen zu Design, Validierung und Änderungen
Sonderprozesse im eigenen HausVerfahrens- und Personalqualifikation, oft plus eigenes Anerkennungsprogramm
Verteidigungs- und RaumfahrtaufträgeZusätzliche Kundenanforderungen und Geheimschutzauflagen
Mehrere FertigungsstandorteJeder Standort erzeugt eigene Auditzeit, Sammelzertifikate sind eingeschränkt
Schlechte Liefertreue vor dem AuditFührt zu Feststellungen und im schlechten Fall zu einem Nachaudit
Fehlende Rückverfolgbarkeit der ChargenNacharbeit in der Fertigungssteuerung, nicht in der Dokumentation
Enger Termin durch KundenforderungDer kleine Auditorenkreis lässt kurzfristige Termine kaum zu
Wechsel der Zertifizierungsstelle im ZyklusÜbertragung ist im Branchenschema an Bedingungen geknüpft und selten kostenneutral

Wo sich sparen lässt

Die richtige Norm der Reihe wählen. Der größte Hebel überhaupt. Wenn Sie Ware lagern und weitergeben, ohne sie zu verändern, ist EN 9120 die passende Antwort und deutlich schlanker. Für Instandhaltungsbetriebe gilt EN 9110. Lassen Sie sich vom Kunden schriftlich geben, welche Norm er verlangt, bevor Sie das Verfahren starten.

Den Geltungsbereich präzise schneiden. Entwicklung im Umfang zu führen, ohne selbst zu entwickeln, ist ein teurer Irrtum. Umgekehrt ist ein zu enger Schnitt später aufwendig zu erweitern. Die Abwägung beschreiben die Seite zu Geltungsbereich und Preis und der Beitrag was ein zu enger Geltungsbereich später kostet.

Sonderprozesse zukaufen statt selbst betreiben. Für kleine Stückzahlen ist der Zukauf bei einem bereits anerkannten Betrieb fast immer günstiger als der eigene Aufbau samt Anerkennung. Die Rechnung dreht sich erst bei kontinuierlicher Auslastung.

Früh Termine binden. Der knappe Auditorenkreis macht Zeit zum Kostenfaktor. Wer sechs Monate vorher bucht, hat die Auswahl zwischen Anbietern; wer sechs Wochen vorher sucht, nimmt, was frei ist, und zahlt Anfahrt aus der Ferne.

Kennzahlen vor dem Audit belastbar machen. Liefertreue und Reklamationsbearbeitung lassen sich nicht kurzfristig verbessern, aber sauber darstellen und mit laufenden Maßnahmen unterlegen. Das ist der Unterschied zwischen einer Feststellung mit Handlungsbedarf und einem Nachaudit, das eine eigene Rechnung erzeugt.

Angebote über Tage und Nebenkosten vergleichen. Da die Tageszahl weitgehend geregelt ist, entstehen Unterschiede über Tagessatz, Berichtstage, Reisekosten und Datenbankgebühren. Wie man das vergleichbar macht, steht auf der Seite Angebote vergleichbar machen.

Auf ein bestehendes ISO-9001-System aufsetzen. Wer bereits nach ISO 9001 zertifiziert ist, hat den Systemteil weitgehend erledigt und ergänzt die branchenspezifischen Kapitel. Der Zwischenschritt lohnt sich allerdings nur, wenn ohnehin Zeit ist: Zwei Zertifizierungsverfahren hintereinander kosten in Summe mehr als eines. Wenn der Kunde EN 9100 fordert und ein Termin steht, gehen Sie direkt dorthin.

Den Wechsel der Zertifizierungsstelle im Zyklus vermeiden. Die Übertragung eines Zertifikats ist im Branchenschema an Bedingungen geknüpft und selten kostenneutral, weil die neue Stelle den Umfang eigenständig bewerten muss. Prüfen Sie Laufzeit und Kündigungsfrist vor der Unterschrift, statt später zu wechseln.

Was EN 9100 gegenüber anderen Normen teurer oder günstiger macht

Gegenüber ISO 9001 liegt EN 9100 in jedem Vergleich höher, und zwar aus drei Gründen: mehr abrechenbare Auditzeit durch die Berichtspflichten des Schemas, ein höherer Tagessatz durch den kleinen Auditorenkreis und Anforderungen an Rückverfolgbarkeit und Erstmusterprüfung, die tief in die Fertigung greifen. Der Aufschlag entsteht also nicht dort, wo man ihn beim Lesen der Norm vermutet.

Gegenüber IATF 16949 sind die Verfahren strukturell verwandt: beide auf ISO 9001 aufgesetzt, beide über ein branchenkontrolliertes Schema mit eigener Datenbank und eigenem Auditorenpool geführt, beide mit geregelten Audittagen. Der Unterschied liegt in den Nebenanforderungen. In der Automobilindustrie sind es die Kernwerkzeuge und die Kundenvorgaben der Hersteller, in der Luftfahrt die Sonderprozesse und die Nachweisführung über Konfigurationsstände. Für einen Betrieb, der beide Branchen beliefert, gibt es beim Audit kaum Synergien — wohl aber im internen System, wo Dokumentenlenkung, Lieferantenbewertung und interne Audits gemeinsam genutzt werden können.

Der Punkt, der in der Budgetplanung am häufigsten fehlt, sind die Sonderprozesse. Ein Zerspaner ohne eigene Wärmebehandlung kommt mit EN 9100 vergleichsweise günstig durch. Derselbe Betrieb mit eigener Härterei und eigener Rissprüfung zahlt für die zusätzlichen Anerkennungen unter Umständen mehr als für die EN-9100-Zertifizierung selbst. Wer eine belastbare Gesamtzahl braucht, sollte deshalb zuerst die Liste der eigenen Sonderprozesse aufstellen und danach das Auditangebot einholen — nicht umgekehrt. Der Eintrag zu den Gesamtbetriebskosten zeigt, wie sich beides in einer Betrachtung zusammenführen lässt.

Häufige Fragen zu den Kosten von EN 9100

Warum ist EN 9100 teurer als ISO 9001, obwohl sie darauf aufbaut?

Weil das Verfahren einem eigenen Branchenschema folgt. Die Audittage werden nach den Regeln der Luftfahrtindustrie berechnet und enthalten zusätzliche Zeit für die Bewertung einzelner Prozesse und deren Berichterstattung. Dazu kommt ein kleiner Kreis zugelassener Auditoren, der Tagessätze und Vorlaufzeiten nach oben treibt. Die inhaltlichen Zusatzkapitel selbst kosten weniger, als die meisten erwarten.

Was ist OASIS und was kostet es?

OASIS ist die Datenbank der Luftfahrtindustrie, in der Zertifikate und Auditergebnisse veröffentlicht werden. Ein Zertifikat nach EN 9100 gilt nur als gültig, wenn es dort eingetragen ist. Für die Eintragung und Pflege fallen Gebühren an, die über die Zertifizierungsstelle abgerechnet oder direkt erhoben werden. Der Betrag ist überschaubar, aber er ist ein eigener Posten, der in Angeboten gelegentlich fehlt.

Brauche ich EN 9100 oder reicht EN 9120?

EN 9120 gilt für Händler, Lagerhalter und Distributoren, die Produkte weitergeben, ohne sie herzustellen oder zu verändern. Wer nichts fertigt, braucht in der Regel kein EN 9100. Der Unterschied im Aufwand ist erheblich, weil Entwicklung, Fertigungslenkung und Sonderprozesse entfallen. Für Instandhaltungsbetriebe gilt mit EN 9110 eine dritte Variante. Die Wahl der richtigen Norm ist der größte Einzelhebel bei den Kosten.

Was hat Nadcap mit EN 9100 zu tun?

Nadcap ist ein eigenes Programm für Sonderprozesse wie Wärmebehandlung, Oberflächenbehandlung, zerstörungsfreie Prüfung oder Schweißen. Es ist nicht Teil von EN 9100, wird von vielen Kunden aber zusätzlich gefordert, wenn Sie solche Prozesse selbst betreiben. Die Audits sind streng und die Kosten liegen bei einzelnen Prozessen über denen der EN-9100-Zertifizierung. Wer das nicht einplant, verrechnet sich deutlich.

Werden Liefertreue und Qualitätskennzahlen im Audit bewertet?

Ja, und das überrascht viele Betriebe. Die Bewertung stützt sich auf die tatsächliche Leistung gegenüber Kunden, nicht nur auf die Beschreibung der Prozesse. Schlechte Liefertreue oder ungelöste Reklamationen führen zu Feststellungen, auch wenn das Managementsystem formal in Ordnung ist. Vorbereitung heißt hier deshalb auch, die eigenen Kennzahlen vor dem Audit auf einen belegbaren Stand zu bringen.

Lohnt sich EN 9100 zusätzlich zu IATF 16949?

Nur wenn Sie beide Branchen tatsächlich beliefern. Die beiden Standards bauen zwar auf derselben Grundlage auf, laufen aber in getrennten Schemata mit eigenen Datenbanken, eigenen Auditorenpools und eigenen Regeln zur Audittageberechnung. Nennenswerte Synergien gibt es beim internen System, kaum beim Audit. Rechnen Sie mit zwei weitgehend eigenständigen Verfahren.

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