Beim integrierten Audit prüft ein Auditteam mehrere Managementsystemnormen in einem Termin und schreibt einen Bericht. Möglich ist das, weil die Normen seit der Revision 2015 derselben Grundgliederung folgen. Die deckungsgleichen Kapitel werden einmal bewertet statt zweimal — daraus entsteht die Ersparnis, nicht aus einem Rabatt.
Was sich zusammenlegen lässt
Kontext der Organisation, Führung, Planung, Ressourcen und Kompetenz, dokumentierte Information, interne Audits, Managementbewertung und Verbesserung sind bei den gängigen Normen weitgehend identisch. Grob die Hälfte des Systems ist normübergreifend.
Getrennt geprüft werden muss der fachliche Kern: die Umweltaspekte bei ISO 14001, Gefährdungsermittlung und Beteiligung der Beschäftigten bei ISO 45001, Risikobeurteilung und Maßnahmen bei ISO 27001. Diese Teile lassen sich nicht bündeln, und genau deshalb fällt die Ersparnis nicht auf die volle Auditdauer an, sondern nur auf den gemeinsamen Teil. Wie groß sie ausfällt, steht unter Multinorm-Rabatt.
Die Voraussetzung, an der es meistens scheitert
Ein integriertes Audit setzt ein integriertes System voraus. Das ist keine Formalie, sondern wird geprüft. Konkret heißt es: eine Dokumentenlenkung statt drei, eine Prozesslandkarte, ein Auditprogramm über alle Normen, eine Managementbewertung mit allen geforderten Eingaben, ein Verfahren für Abweichungen und Korrekturmaßnahmen.
Der häufigste Zustand in der Praxis sieht anders aus. Es gibt ein gewachsenes Qualitätsmanagementhandbuch und daneben, weil ein Kunde es verlangte, ein zweites System für Umwelt oder Informationssicherheit — mit eigenen Vorlagen, eigenem Auditplan und eigenem Verantwortlichen. Beide beschreiben dieselben gemeinsamen Kapitel unterschiedlich.
In diesem Zustand kann der Auditor die gemeinsamen Kapitel nicht einmal prüfen, weil es sie zweimal gibt. Der Termin wird zusammengelegt, die Audittage bleiben doppelt. Was zusammengeführt werden muss, beschreibt Mehrere Normen kombinieren.
Der Terminfehler mit Dreijahresfolge
Die zweite Hürde ist zeitlich. Zwei Zertifikate mit versetzten Zyklen lassen sich nicht in einem Termin prüfen — jedes hat eigene Fristen für Überwachungsaudits und eigenes Ablaufdatum.
Wer eine zweite Norm einführt, ohne die Zyklen zusammenzuführen, zahlt die doppelte Struktur drei Jahre lang: zwei Anreisen, zwei Berichte, zwei Termine mit gebundenen Ansprechpartnern. Die Zusammenführung ist einmal möglich, nämlich beim Aufnehmen der zweiten Norm. Danach nur noch mit Aufwand.
Planen Sie deshalb die Erweiterung auf den nächsten regulären Termin der bestehenden Zertifizierung, auch wenn das bedeutet, ein paar Monate zu warten.
Was im Audit selbst anders läuft
Ein integriertes Audit ist für die Organisation anstrengender als zwei getrennte. Der Auditor springt zwischen den Perspektiven, und derselbe Prozess wird in einem Durchgang auf Qualität, Umweltwirkung und Arbeitssicherheit betrachtet. Die Ansprechpartner müssen für alle beteiligten Normen auskunftsfähig sein.
Bereiten Sie deshalb Personen vor, nicht Dokumente. Der Produktionsleiter, der die Qualitätskennzahlen kennt, aber die bedeutenden Umweltaspekte seines Bereichs nicht benennen kann, erzeugt eine Feststellung — und die trifft im integrierten System beide Normen zugleich. Wie sich die Audittage insgesamt herleiten, steht unter Audittage nach IAF MD 5.
