Der Tagessatz ist der Preis für einen Arbeitstag einer Person, netto und ohne Nebenkosten. In einem Zertifizierungsangebot ist er der einzige große Posten, den der Anbieter frei kalkuliert. Die Menge — also die Zahl der Audittage — folgt einem Regelwerk. Deshalb entscheidet sich der Preisunterschied zwischen zwei Angeboten fast immer am Satz, nicht an der Menge.
Was die Höhe bestimmt
Den größten Einfluss hat die Verfügbarkeit der Qualifikation. Eine Zertifizierungsstelle darf einen Auditor nur einsetzen, wenn sie dessen Kompetenz für die Norm und für Ihren Wirtschaftszweig belegen kann. Für ISO 9001 in einer Dienstleistung ist der Kreis groß, für ein Medizinprodukt oder einen Automobilzulieferer klein. Knappheit schlägt direkt auf den Satz durch.
Danach kommen Sprache und Ort. Ein Audit auf Englisch oder mit Dolmetscher an einem Auslandsstandort kostet mehr. Und schließlich die Größe der Zertifizierungsstelle: Große Häuser tragen höhere Gemeinkosten, kleinere kalkulieren oft knapper und disponieren flexibler.
Marktübliche Spannen für beide Leistungsarten stehen unter Tagessätze für Audit und Beratung.
Der niedrige Satz, der teuer wird
Ein günstiger Tagessatz allein ist kein Warnsignal. Kleinere Stellen mit schlanker Verwaltung kalkulieren legitim niedriger.
Kritisch wird die Kombination: niedriger Satz und auffällig wenige Audittage. Dann ist nicht der Preis gesenkt, sondern die Prüftiefe. Das fällt spätestens auf, wenn Ihr Auftraggeber das Zertifikat prüft oder wenn die Akkreditierungsstelle bei der Zertifizierungsstelle eine Feststellung erhebt. Rechnen Sie die Angebote deshalb immer auf beides herunter: Satz und Menge getrennt.
Der zweite Fall ist der niedrige Erstpreis mit teuren Folgejahren. Ein Anbieter kann das Erstaudit günstig anbieten und die Überwachungsaudits deutlich höher ansetzen — Sie sind dann drei Jahre gebunden. Deshalb ist die Vergleichsgröße die Summe über den gesamten Zyklus, nicht der Erstpreis. Wie Sie die Aufschlüsselung anfordern, steht unter Angebote vergleichen.
Was neben dem Tagessatz auf die Rechnung kommt
Der Satz deckt die Auditzeit ab, sonst nichts. Regelmäßig kommen hinzu: die Reisekostenpauschale je anreisender Person, die jährliche Zertifikatsgebühr, je nach Anbieter Vorbereitung und Berichtserstellung sowie Nachaudits bei Abweichungen.
Ein häufiger Fehler bei der internen Budgetierung: Es wird mit dem Tagessatz mal Audittage gerechnet, und die Nebenkosten fehlen. Bei einem mehrtägigen Audit mit weiter Anreise und Zweierteam ist das kein Rundungsfehler.
Der Punkt, an dem Verhandeln wirkt
Vor der Erstzertifizierung. Danach ist ein Wechsel der Zertifizierungsstelle zwar möglich, aber mit Aufwand verbunden, und der Anbieter weiß das. Verhandeln Sie den Satz deshalb einmal für den ganzen Zyklus, einschließlich Überwachungsaudit und Rezertifizierung, und lassen Sie sich die Werte in das Angebot schreiben.
Zwei Formulierungen lohnen sich dabei. Erstens eine feste Zusage statt einer Preisliste mit Änderungsvorbehalt — sonst gilt der verhandelte Satz nur für das erste Jahr. Zweitens eine Regelung für den Fall, dass sich Ihre Mitarbeiterzahl im Zyklus ändert: Ohne sie wird bei der nächsten Anpassung neu über alles gesprochen, und dann sind Sie bereits gebunden.
