ISO/IEC 17024 — Kosten

Was kostet eine Zertifizierung nach ISO 17024?

ISO/IEC 17024 kostet nichts pro Audittag, weil sie kein Managementsystem prüft. Sie regelt die Zertifizierung von Personen — und damit rechnet sich alles pro Kopf, nicht pro Betrieb.

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Personalleitung kalkuliert Prüfungsgebühren und Rezertifizierung je Mitarbeiter

ISO/IEC 17024 wird auf Kostenseiten fast immer falsch einsortiert, und zwar in beide Richtungen. Die Norm zertifiziert kein Unternehmen und kein Managementsystem. Sie beschreibt, was eine Stelle erfüllen muss, die Personen zertifiziert — Prüfungsverfahren, Unparteilichkeit, Kompetenzanforderungen, Wiederholung und Erneuerung. Wer nach den Kosten fragt, meint deshalb eine von zwei völlig verschiedenen Rechnungen.

Die erste: Sie brauchen zertifiziertes Personal, weil ein Auftraggeber, eine Behörde oder ein Regelwerk es verlangt. Dann kaufen Sie Prüfungen ein, je Kopf, bei einer akkreditierten Stelle. Es gibt keine Audittage, keinen Auditor im Haus, keine Reisekosten für ein Auditteam und kein Überwachungsaudit. Der Preis skaliert mit der Zahl der Personen und mit dem Zertifizierungsprogramm.

Das betrifft mehr Betriebe, als der Normtitel vermuten lässt. Personal in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung, Sachverständige und Gutachter, zertifizierte Projektmanagerinnen, externe Datenschutzbeauftragte, Auditoren und eine Reihe technischer Prüf- und Sachkundefunktionen werden über solche Programme qualifiziert. Der gemeinsame Nenner: Nicht das Unternehmen weist etwas nach, sondern eine namentlich benannte Person. Fällt sie aus, fällt der Nachweis aus.

Die zweite: Sie wollen selbst Personen zertifizieren — als Verband, Prüfungsanbieter, Kammer oder Bildungsträger. Dann brauchen Sie eine Akkreditierung Ihrer Stelle nach ISO/IEC 17024. Das ist ein mehrjähriges Vorhaben mit Begutachtungen, laufender Überwachung und einem Kostenblock, der mit der Zahl Ihrer Zertifizierungsprogramme wächst, nicht mit Ihrer Belegschaft.

Ein Firmenzertifikat nach ISO 17024 gibt es in keiner der beiden Varianten. Wenn Ihnen jemand eines anbietet, verkauft er entweder etwas anderes oder etwas, das keine Stelle anerkennen wird.

Warum die Logik der Managementsystemnormen hier nicht greift

Bei ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 45001 entsteht der Preis über einen Zwischenschritt: Aus der effektiven Mitarbeiterzahl werden Audittage abgeleitet, die mit einem Tagessatz multipliziert werden. Danach folgen zwei Überwachungsaudits und ein Rezertifizierungsaudit im Drei-Jahres-Zyklus. Diese ganze Mechanik hat bei einer Personenzertifizierung keine Entsprechung.

Was stattdessen gilt:

  • Bezahlt wird je Person, nicht je Betrieb. Zwei zertifizierte Fachkräfte kosten ungefähr das Doppelte einer einzelnen. Eine Mengendegression wie bei Audittagen gibt es nicht, allenfalls Rabatte bei Sammelanmeldungen.
  • An die Stelle des Überwachungsaudits tritt die Überwachung der Person. Je nach Programm sind das Tätigkeitsnachweise, Weiterbildungspunkte oder ein Nachweis über anhaltende Praxis. Das kostet Verwaltungsaufwand und Gebühren, aber keinen Auditor im Haus. Was hinter dem klassischen Gegenstück steckt, steht auf der Seite zu den Kosten des Überwachungsaudits.
  • Die Zertifikatslaufzeit ist nicht drei Jahre, weil es die Norm so will. Bei Managementsystemen ist die Laufzeit faktisch gesetzt. Hier legt das jeweilige Zertifizierungsprogramm sie fest — drei oder fünf Jahre sind üblich, ebenso unterschiedliche Regeln für die Erneuerung.
  • Ein Multi-Site-Verfahren existiert nicht. Standorte sind irrelevant. Relevant ist, wo die Prüfung stattfindet und wer dafür anreist: die Person, nicht der Prüfer.

Die Kostenblöcke einer Personenzertifizierung

1. Prüfung der Zulassungsvoraussetzungen. Fast jedes Programm verlangt Vorqualifikation, Berufserfahrung oder Schulungsstunden, bevor überhaupt geprüft wird. Die Stelle bewertet diese Nachweise und berechnet das meist gesondert. Wer hier unvollständig einreicht, zahlt Bearbeitung zweimal und verliert einen Prüfungstermin.

2. Lehrgang oder Vorbereitung. Der größte Posten, und der am häufigsten mit der Zertifizierung verwechselte. Er gehört nicht zur Zertifizierung, sondern läuft daneben. ISO/IEC 17024 verlangt sogar ausdrücklich Distanz zwischen beidem: Eine Stelle darf nicht in Aussicht stellen, dass die Zertifizierung mit ihrer eigenen Schulung einfacher, schneller oder günstiger werde. Praktisch heißt das für Sie — Kurs und Prüfung sind getrennt kalkulierbar und getrennt vergleichbar.

3. Prüfungsgebühr. Der eigentliche Zertifizierungspreis, je Person und je Prüfungsteil. Programme mit praktischer Prüfung oder mündlichem Teil liegen deutlich über reinen Wissenstests, weil Prüfer, Räume und Prüfmittel gebunden werden.

4. Ausfallzeit. Vorbereitungszeit plus Prüfungstag plus Anreise. Bewertet mit dem internen Stundensatz übersteigt dieser Block bei qualifizierten Fachkräften regelmäßig die Gebühr. Dazu kommt die entgangene Wertschöpfung in der Zeit, in der die Person nicht an ihrem Arbeitsplatz steht.

5. Wiederholungsprüfung. Der Posten, den niemand einplant. Durchfallquoten sind bei anspruchsvollen Programmen real, die Wiederholung ist gebührenpflichtig und erzeugt erneut Ausfallzeit. Kalkulieren Sie bei größeren Gruppen eine Wiederholungsquote ein, statt sie als Ausnahme zu behandeln.

6. Laufende Gebühren im Zyklus. Registerführung, Aufrechterhaltung, Ausstellung von Zweitschriften. Kleine Beträge je Person, die sich bei dreißig zertifizierten Mitarbeitenden zu einem festen Jahresposten summieren. Sie gehören in dieselbe Kategorie wie die Folgekosten eines Systemzertifikats und damit in die Mehrjahresplanung.

7. Rezertifizierung. Am Ende des Zyklus. Günstig, wenn das Programm gesammelte Tätigkeits- und Weiterbildungsnachweise akzeptiert. Teuer, wenn es eine vollständige Prüfung verlangt — was manche Programme nach zwei Zyklen tun. Dieser Sprung gehört in die Mehrjahresplanung, sonst trifft er das Budget im fünften oder zehnten Jahr unvorbereitet.

Was den Betrag je Kopf nach oben treibt

FaktorWirkung auf die Kosten
Praktischer oder mündlicher PrüfungsteilPrüfer und Prüfmittel werden je Kandidat gebunden, Gebühr steigt deutlich
Hohe ZulassungshürdenVorqualifikation und Nachweisführung müssen erst aufgebaut werden
Nur ein Prüfungsstandort im ProgrammAnreise und ein zusätzlicher Ausfalltag je Person
Fluktuation in der betroffenen FunktionJede Nachbesetzung startet das Verfahren von vorn
Kurzfristige KundenforderungPrüfungstermine haben Vorlauf und lassen sich nicht kaufen
Mehrere Programme parallelGetrennte Zyklen, getrennte Fristen, getrennter Verwaltungsaufwand
Prüfungssprache nicht MutterspracheHöhere Durchfallquote, damit mehr Wiederholungen

Der zweite Fall: eine eigene Zertifizierungsstelle aufbauen

Wenn Sie selbst Personen zertifizieren wollen, kaufen Sie keine Prüfung, sondern eine Akkreditierung. Der Kostentreiber ist dabei ein anderer als bei jedem Systemzertifikat: nicht Ihre Betriebsgröße, sondern die Zahl und Verschiedenartigkeit Ihrer Zertifizierungsprogramme. Für jedes Programm braucht es ein dokumentiertes Schema mit Kompetenzanforderungen, validierten Prüfungen, Bewertungsregeln und Regelungen für Überwachung und Rezertifizierung. Und für jedes Programm wird die Begutachtungsstelle in der Regel eine Prüfung im laufenden Betrieb beobachten wollen.

Dazu kommt die Unparteilichkeit. Sie ist der Punkt, an dem Bildungsträger das Vorhaben unterschätzen: Wer bisher schult und im selben Atemzug ein Zertifikat ausstellt, muss beides organisatorisch trennen, Interessenkonflikte bewerten und die Prüfungsentscheidung unabhängig von der Schulungsseite treffen. Diese Trennung kostet Personal, nicht Gebühren — und sie ist der Grund, warum sich der Aufbau für kleine Anbieter selten rechnet.

Abgerechnet wird die Begutachtung typischerweise nach tatsächlichem Aufwand auf Basis einer Gebührenordnung, nicht als Festpreis. Die Akkreditierung läuft danach in einem mehrjährigen Zyklus mit Überwachungsbegutachtungen und endet mit einer Reakkreditierung. Jede Erweiterung des Geltungsbereichs um ein weiteres Programm löst eigenen Aufwand aus. Die Systematik dahinter beschreibt der Eintrag zu den Akkreditierungskosten — dort aus Sicht der Stelle, deren Kosten am Ende in jedem Auditangebot stecken.

Realistische Alternative für die meisten: als Prüfungsanbieter unter dem Dach einer bereits akkreditierten Stelle arbeiten. Das kostet Marge, aber keine Akkreditierung.

Wo sich sparen lässt

Programm vor Anbieter wählen. Zuerst klären, welches Zertifizierungsprogramm Ihr Auftraggeber tatsächlich anerkennt. Ein günstigeres Zertifikat, das der Kunde nicht akzeptiert, ist der teuerste Einkauf in diesem Feld — die Mechanik dahinter ist dieselbe wie beim günstigsten Anbieter, der selten der billigste ist.

Kurs und Prüfung getrennt vergleichen. Weil die Norm die Bündelung einschränkt, sind Paketpreise nicht selbstverständlich günstiger. Fragen Sie beide Positionen einzeln ab und vergleichen Sie die Prüfungsgebühr direkt zwischen den Stellen.

Sammeltermine im Haus organisieren. Viele Stellen prüfen ab einer Mindestteilnehmerzahl vor Ort. Das eliminiert Anreise und einen halben Ausfalltag je Person — bei zehn Kandidaten der wirksamste Hebel überhaupt.

Zweitqualifikation statt Einzelabhängigkeit. Eine zweite zertifizierte Person kostet Gebühr, eine unbesetzte Anforderung kostet den Auftrag. Wo eine Kundenforderung an einer einzigen Qualifikation hängt, ist die Redundanz die günstigere Versicherung.

Fristen zentral führen. Eine Liste mit Ablaufdatum, Programm und Nachweisstand je zertifizierter Person. Nachweise, die während des Zyklus laufend gesammelt werden, machen die Rezertifizierung zur Formsache. Wer sie erst im letzten Jahr zusammensucht, landet in der Vollprüfung.

Bei der Einstellung auf vorhandene Zertifikate achten. Anders als ein Firmenzertifikat kommt ein Personenzertifikat mit — die günstigste Beschaffung ist die, die schon stattgefunden hat.

Der Fehler, der am meisten kostet

Das Zertifikat gehört der Person. Nicht dem Arbeitgeber, der es bezahlt hat, und nicht der Stelle, die es ausgestellt hat. Beim Wechsel der Zertifizierungsstelle eines Unternehmens gibt es geordnete Transferregeln; beim Wechsel eines zertifizierten Mitarbeiters gibt es nichts zu transferieren. Die Nachfolgerin durchläuft Zulassung, Vorbereitung und Prüfung vollständig neu, inklusive der Wartezeit bis zum nächsten Prüfungstermin.

Das verändert die Betrachtung. Bei einem Systemzertifikat ist die Erstzertifizierung eine einmalige Investition mit planbaren Folgekosten. Bei einer Personenzertifizierung ist ein Teil des Betrags an ein Arbeitsverhältnis gekoppelt und damit kündbar. Wer die Gesamtbetriebskosten über fünf Jahre rechnet, sollte deshalb nicht mit der Zahl der heute zertifizierten Personen rechnen, sondern mit der Fluktuation in dieser Funktion. In Bereichen mit hoher Wechselquote ist die Personenzertifizierung kein Projekt, sondern ein laufender Posten — dieselbe Mechanik, die bei SCC den größten Block ausmacht und bei AZAV über das Kursportfolio wirkt.

Häufige Fragen zu den Kosten von ISO/IEC 17024

Kann sich ein Unternehmen nach ISO 17024 zertifizieren lassen?

Nein. Die Norm beschreibt Anforderungen an Stellen, die Personen zertifizieren. Ein Unternehmen kann entweder Beschäftigte bei einer solchen Stelle zertifizieren lassen — dann zahlt es Prüfungsgebühren je Kopf — oder selbst eine solche Stelle betreiben und sich dafür akkreditieren lassen. Ein Firmenzertifikat „nach ISO 17024“ gibt es nicht. Wer eines angeboten bekommt, sollte den Anbieter nach seiner Akkreditierungsurkunde und dem Geltungsbereich fragen.

Warum spielen Audittage bei ISO 17024 keine Rolle?

Weil kein Betrieb auditiert wird. Bei Managementsystemnormen ergibt sich der Preis aus Audittagen, die sich an der effektiven Mitarbeiterzahl orientieren. Bei einer Personenzertifizierung wird eine einzelne Person geprüft: Zulassung, Prüfung, Ausstellung. Der Betrag hängt deshalb an der Zahl der Personen und am jeweiligen Zertifizierungsprogramm, nicht an Umsatz, Standorten oder Belegschaftsgröße.

Was kostet die Zertifizierung mehr als die Prüfungsgebühr?

In der Regel deutlich mehr. Zur Gebühr kommen die Vorbereitung oder der Lehrgang, die Prüfung der Zulassungsvoraussetzungen, die Arbeitszeit für Vorbereitung und Prüfungstag, laufende Gebühren im Zyklus und am Ende die Rezertifizierung. Bei Beschäftigten mit hohem Stundensatz ist die Ausfallzeit oft der größere Posten als die Gebühr selbst.

Was passiert, wenn die geprüfte Person das Unternehmen verlässt?

Das Zertifikat geht mit. Es ist an die Person gebunden, nicht an den Arbeitgeber, auch wenn dieser alles bezahlt hat. Eine Übertragung auf eine Nachfolgerin gibt es nicht — die muss das Verfahren vollständig neu durchlaufen. Betriebe, die eine geforderte Qualifikation nur mit einer Person abdecken, kaufen damit ein Risiko ein, das mit jeder Kündigung schlagend wird.

Wie oft muss eine Personenzertifizierung erneuert werden?

Die Norm legt keine feste Laufzeit fest, das jeweilige Zertifizierungsprogramm tut es. Drei oder fünf Jahre sind üblich. Innerhalb des Zyklus verlangen viele Programme Nachweise über fortlaufende Tätigkeit oder Weiterbildung, am Ende eine Rezertifizierung. Manche Programme akzeptieren dafür gesammelte Nachweise, andere verlangen nach zwei Zyklen wieder eine vollständige Prüfung — das ist der Punkt, an dem Kosten unerwartet zurückkehren.

Werden Prüfungsgebühren gefördert?

Nicht über die üblichen Beratungsprogramme. Dort ist die Beratung förderfähig, die Prüfung als Prüfleistung fällt heraus. Der passende Weg führt über Programme der Weiterbildungs- und Qualifizierungsförderung, die Lehrgangs- und Prüfungskosten von Beschäftigten adressieren. Die Voraussetzungen unterscheiden sich nach Programm, Betriebsgröße und Person, deshalb lohnt die Prüfung vor der Anmeldung — nachträglich ist nichts zu holen.

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