Entscheidung

Welche Positionen in jedem Angebot stehen müssen

Die meisten Angebote von Zertifizierungsstellen sind kürzer, als sie sein dürften. Erst die einzelnen Zeilen zeigen, ob Sie einen Preis oder eine Annahme vergleichen.

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Drei Angebote liegen zum Vergleich nebeneinander auf einem Tisch

Ein Angebot einer Zertifizierungsstelle ist erst dann eines, wenn es zeigt, wie die Summe entsteht. Ein Blatt mit einer Endzahl und der Zeile „Zertifizierung nach ISO 9001, drei Jahre” ist ein Preisschild. Es lässt sich nicht vergleichen, nicht prüfen und nicht nachverhandeln.

Die folgenden Positionen gehören in jedes Angebot. Fehlt eine davon, fragen Sie nach. Nicht aus Prinzip, sondern weil jede Zeile, die im Angebot fehlt, später als Rechnung wiederkommt.

Die Mengenzeilen: wie viel Auditzeit gekauft wird

Der Preis einer Zertifizierung ist ein Produkt aus Menge und Satz. Die Menge steht in diesen Zeilen:

  1. Audittage Stufe 1 und Audittage Stufe 2, getrennt ausgewiesen
  2. Herleitung der Audittage: gemeldete Vollzeitäquivalente, Größenklasse, angesetzte Zu- und Abschläge
  3. Audittage je Überwachungsaudit in Jahr 1 und Jahr 2
  4. Audittage für die Rezertifizierung in Jahr 3
  5. Zuschläge für Standorte, Schichten, Fremdsprache oder mehrere Normen

Ein Audittag ist dabei kein Kalendertag, sondern eine Zeiteinheit von acht Stunden. Zwei Auditoren an einem Kalendertag verbrauchen zwei Audittage. Wer diese Unterscheidung überliest, vergleicht die Termindauer statt der gekauften Leistung — die Mechanik steht unter Audittag.

Die Herleitung ist die wichtigste Zeile im ganzen Angebot. Sie ist der einzige Punkt, an dem sich prüfen lässt, ob ein niedriger Preis auf einem günstigen Satz beruht oder auf einer zu kleinen Annahme. Wie Sie die Menge selbst nachrechnen, steht unter Audittage selbst überschlagen.

Die Preiszeilen: was die Menge kostet

PositionWas sie enthalten muss
TagessatzNetto je Audittag, mit Angabe, ob er für alle Auditoren gilt
Zuschläge auf den TagessatzNacht, Wochenende, Feiertag, Fremdsprache — je einzeln
ReisekostenPauschale oder Nachweis, Berechnungsgrundlage, Anreiseort
ReisezeitOb sie berechnet wird und zu welchem Anteil des Tagessatzes
ZertifikatsgebührBetrag je Jahr, mit Angabe der Fälligkeit
Auditplanung und BerichtserstellungEnthalten oder als eigene Position
ZertifizierungsentscheidungEnthalten oder als eigene Position
Nachaudit bei HauptabweichungPreis je Tag, vor Ort oder als Nachweisprüfung
Zusatzstandorte, ErweiterungenPreis je Sonderaudit

Zwei dieser Zeilen werden regelmäßig unterschätzt. Die Reisezeit taucht in manchen Angeboten gar nicht auf und wird später anteilig berechnet; fragen Sie ausdrücklich danach, bevor Sie unterschreiben. Und die Zertifikatsgebühr wirkt im ersten Jahr klein, läuft aber in jedem Jahr weiter, auch in Jahren ohne größeres Audit. Beide Positionen sind in der Summe über drei Jahre relevanter, als sie im Angebot aussehen — Details unter Reisekostenpauschale.

Die Vertragszeilen: was Sie über den Preis hinaus unterschreiben

Diese Punkte stehen selten im Angebotsteil, sondern in den Vertragsbedingungen. Sie gehören trotzdem in den Vergleich.

Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist. Zertifizierungsverträge laufen typischerweise über den vollen Zyklus. Die Frist, bis zu der Sie kündigen müssen, damit sich der Vertrag nicht automatisch verlängert, liegt oft deutlich vor dem Ende der Zertifikatslaufzeit. Wer erst nach dem Rezertifizierungsaudit über einen Wechsel nachdenkt, ist rechnerisch schon im nächsten Zyklus.

Preisanpassung. Eine Preisgleitklausel ist nicht per se schlecht, aber sie muss an etwas Nachprüfbares gebunden sein und eine Obergrenze haben. „Anpassung entsprechend der allgemeinen Kostenentwicklung” ist keine Klausel, sondern eine Blankovollmacht.

Zahlungszeitpunkte. Ob die Zertifikatsgebühr im Voraus fällig wird und ob Stufe 1 separat berechnet wird, verändert nicht die Summe, aber die Liquiditätsplanung.

Was fehlende Positionen praktisch bedeuten

Eine fehlende Zeile ist kein Entgegenkommen. Sie ist eine offene Rechnung mit unbekanntem Betrag. In der Vergleichstabelle setzen Sie fehlende Positionen deshalb nie auf null, sondern auf den höchsten Wert, den ein anderer Anbieter für dieselbe Leistung nennt, und markieren die Zelle.

Drei Formulierungen entwerten eine Position, auch wenn sie im Angebot steht:

  • „zzgl. Reisekosten” ohne Anreiseort und ohne Berechnungsgrundlage
  • „Nachaudits nach Aufwand” ohne Tagessatz und ohne Angabe, ob vor Ort oder aus der Ferne
  • „Preise gültig für das Erstjahr” ohne Angabe, wie die Folgejahre gebildet werden

Fragen Sie diese drei Punkte schriftlich nach und legen Sie die Antwort zum Angebot. Ein Anbieter, der sie nicht beantworten will, hat die Antwort schon gegeben.

Der Unterschied zwischen Leistungsverzeichnis und Preisliste

Ein vollständiges Angebot beschreibt nicht nur, was etwas kostet, sondern was dafür geliefert wird. Dazu gehören die Anzahl der eingesetzten Auditoren, ihr Qualifikationsbereich, die Sprache des Audits, die Sprache des Berichts, die Frist, in der der Bericht vorliegt, und der Ablauf bei Abweichungen.

Diese Angaben sind kein Beiwerk. Ein Bericht, der sechs Wochen braucht, blockiert Ihre Nachweisführung gegenüber einem Kunden. Ein Auditteam ohne Bezug zu Ihrer Branche erzeugt Erklärungsaufwand, der Ihre Zeit kostet und nicht die des Anbieters. Was in ein vollständiges Leistungsverzeichnis gehört, unterscheidet sich zwischen Anbietern stärker als der Tagessatz.

Was bei mehreren Normen und mehreren Standorten dazukommt

Sobald mehr als eine Norm oder mehr als ein Standort im Spiel ist, reichen die Standardzeilen nicht mehr. Vier zusätzliche Angaben gehören dann ins Angebot.

Die Aufteilung der Auditzeit auf die Normen. Bei einem integrierten Audit werden gemeinsame Systemelemente einmal geprüft, normspezifische Anforderungen zusätzlich. Das Angebot muss zeigen, welche Tage gemeinsam anfallen und welche je Norm — sonst lässt sich nicht beurteilen, ob überhaupt integriert auditiert wird oder ob zwei Audits nur zeitlich nebeneinandergelegt wurden. Die Systematik steht unter Multinorm und im Eintrag zum Multinorm-Rabatt.

Die Standortliste mit Auditzeit je Standort. Nur so ist erkennbar, ob ein Standort als eigenständig behandelt oder in eine Stichprobe einbezogen wurde.

Das Stichprobenverfahren, falls angewendet. Dazu gehören die Zahl der je Jahr besuchten Standorte und der Hinweis, dass die Auswahl über den Zyklus wechselt. Ein Angebot, das dauerhaft denselben nächstgelegenen Standort unterstellt, rechnet mit einer unzulässigen Annahme.

Der Preis einer späteren Erweiterung. Neue Standorte und neue Tätigkeiten kommen in einem laufenden Zyklus häufiger vor als geplant. Ob die Erweiterung an ein Überwachungsaudit angehängt werden kann oder ein Sonderaudit auslöst, ist ein Preisunterschied, der sich vor der Unterschrift regeln lässt und danach nicht mehr.

Fehlen diese Angaben, vergleichen Sie bei mehreren Standorten nicht Preise, sondern Auslegungen. Wie sich die Standortzahl auf die Menge auswirkt, steht unter wie sich mehrere Standorte auf die Kosten auswirken.

Der häufigste Fehler

Der häufigste Fehler ist, das kürzeste Angebot für das übersichtlichste zu halten.

Ein einseitiges Angebot mit einer Summe wirkt entschlossen und spart in der Prüfung Zeit. Es verlagert die Klärung aber vollständig in die Zeit nach der Unterschrift, und dann verhandeln Sie nicht mehr, sondern erhalten ein Nachtragsangebot. Der Anbieter mit dem dreiseitigen, in Zeilen zerlegten Angebot ist nicht der umständlichere, sondern der prüfbare.

Der zweithäufigste Fehler liegt eine Stufe früher: Wer allen Anbietern unterschiedliche Angaben schickt, bekommt Angebote mit unterschiedlichen Annahmen und kann die Positionen anschließend nicht gegenüberstellen. Das Raster für die Anfrage steht unter drei Angebote vergleichbar machen, die weiteren Prüfpunkte unter Angebote vergleichen.

Häufige Fragen

Muss eine Zertifizierungsstelle die Audittage einzeln ausweisen?

Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht, eine fachliche schon. Die Menge der Audittage folgt aus einem Regelwerk und nicht aus dem Verhandlungsgeschick. Wer die Herleitung nicht zeigt, verhindert genau die Prüfung, die den Vergleich erst möglich macht. Eine seriöse Stelle nennt Mitarbeiterzahl, Größenklasse, Zu- und Abschläge und die daraus folgenden Tage.

Was bedeutet die Formulierung „nach Aufwand“ in einem Angebot?

Sie bedeutet, dass die Position kein Preis ist, sondern eine spätere Rechnung. Bei Reisekosten ist das üblich und vertretbar, solange die Berechnungsgrundlage genannt wird. Bei Auditzeit, Berichtserstellung oder Nachaudits ist es ein Risiko, das Sie in Ihre Vergleichstabelle mit dem höchsten am Markt genannten Wert einsetzen sollten.

Gehören die Überwachungsaudits schon ins Erstangebot?

Ja. Der Zertifizierungsvertrag läuft über den vollen Zyklus, und die beiden Überwachungsaudits sowie die Rezertifizierung sind Teil dieser Verpflichtung. Ein Angebot, das nur das Erstaudit ausweist, zeigt weniger als die Hälfte dessen, was Sie unterschreiben.

Was ist die Zertifikatsgebühr und warum steht sie separat?

Sie deckt Ausstellung, Registerführung und die Umlage der Akkreditierungskosten und fällt unabhängig davon an, ob im betreffenden Jahr ein Audit stattfindet. Weil sie jährlich läuft, verändert sie die Dreijahressumme spürbar, obwohl sie im Erstjahr klein wirkt.

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