OHSAS 18001 kostet nichts mehr, weil es nichts mehr gibt, das man kaufen könnte. Der britische Standard für Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde durch ISO 45001 abgelöst. Die dafür eingeräumte Übergangsfrist endete 2021, und seitdem stellt keine akkreditierte Zertifizierungsstelle mehr ein OHSAS-Zertifikat aus. Bestehende Urkunden sind mit Ablauf der Frist ungültig geworden, unabhängig davon, welches Datum darauf steht. Wer heute nach den Kosten von OHSAS 18001 sucht, sucht in Wahrheit nach den Kosten des Wechsels.
Und dort dominiert ein Kostenblock, der nichts mit dem Auditor zu tun hat: die Wiederbelebung eines Systems, das mit dem Zertifikat eingeschlafen ist. Zwei Betriebe mit identischer Größe können bei derselben Zertifizierungsstelle dasselbe Angebot bekommen und trotzdem am Ende einen Faktor drei auseinanderliegen — weil der eine seine Gefährdungsbeurteilungen weiter fortgeschrieben hat und der andere seit Jahren nicht mehr hineingesehen hat. Der externe Preis ist in beiden Fällen gleich. Warum das Erstaudit ohnehin nur ein Teil der Rechnung ist, beschreibt der Beitrag warum das Erstaudit nur ein Drittel der Rechnung ist.
Vorab noch eine Warnung, die in die Kostenbetrachtung gehört: Es gibt weiterhin Anbieter, die Prüfungen nach OHSAS 18001 verkaufen. Das ist kein Betrug im juristischen Sinne, denn ein Dokument bekommen Sie tatsächlich. Es ist nur wertlos, weil dahinter keine Akkreditierung steht und kein Auftraggeber es anerkennt. Was Akkreditierung leistet und warum sie im Preis steckt, ordnet der Eintrag zu den Akkreditierungskosten ein.
Die Kostenblöcke im Einzelnen
1. Die Bestandsaufnahme. Der erste sinnvolle Schritt ist eine ehrliche Prüfung, was vom alten System übrig ist. Existieren aktuelle Gefährdungsbeurteilungen? Wurde das Verzeichnis der Rechtsvorschriften gepflegt? Gibt es interne Audits und eine Managementbewertung aus den letzten zwölf Monaten? Diese Gap-Analyse kostet wenige Tage und entscheidet über die Größenordnung des gesamten Projekts.
2. Die neue Klammer um das bestehende System. ISO 45001 folgt der einheitlichen Grundstruktur, die alle neueren Managementsystemnormen teilen. Neu gegenüber OHSAS sind die Betrachtung des Umfelds und der interessierten Parteien, die Behandlung von Risiken und Chancen auf Systemebene sowie eine deutlich schärfer gefasste Anforderung an die Beteiligung der Beschäftigten. Das ist Schreib- und Abstimmungsarbeit, keine Investition in Technik.
3. Die Beteiligung der Beschäftigten. Der Punkt, an dem die meisten Umstellungen hängen bleiben. Verlangt wird nicht die Existenz eines Arbeitsschutzausschusses, sondern der Nachweis, dass Beschäftigte ohne Führungsaufgabe bei Gefährdungsbeurteilung, Maßnahmenauswahl und Untersuchung von Vorfällen tatsächlich mitwirken. Wer das nur behauptet, bekommt eine Abweichung. Wer es einführt, braucht dafür Termine, Protokolle und Zeit von Menschen aus der Produktion.
4. Die Steuerung ausgelagerter Tätigkeiten. Fremdfirmen, Leiharbeit, Beschaffung. ISO 45001 verlangt hier mehr Steuerung, als OHSAS es tat. In Betrieben mit vielen Nachunternehmern ist das der zweitgrößte Aufwandsposten, weil Verträge, Einweisungen und Freigaben neu geregelt werden müssen. Wie Leiharbeit sich zusätzlich auf die Berechnung der Auditdauer auswirkt, steht im Eintrag zu Leiharbeitnehmern in der Berechnung.
5. Interne Audits und Managementbewertung nach neuer Systematik. Beide müssen vor dem Zertifizierungsaudit einmal vollständig nach ISO 45001 durchlaufen sein. Das lässt sich nicht abkürzen und nicht nachreichen. Wer die Termine zu spät ansetzt, verschiebt das gesamte Verfahren.
6. Das Zertifizierungsaudit. Es besteht aus einer Dokumentenprüfung und dem eigentlichen Audit vor Ort. Die Dauer richtet sich nach Beschäftigtenzahl, Risikoeinstufung der Tätigkeiten und Standortstruktur — dieselbe Systematik wie bei jeder anderen akkreditierten Zertifizierung, beschrieben im Eintrag zum Audittag. Eine Ermäßigung, weil früher einmal ein OHSAS-Zertifikat vorlag, gibt es nicht mehr; die dafür vorgesehenen Umstellungsaudits waren an die Übergangsfrist gebunden.
7. Der Umgang mit Altdokumenten. Jedes Formular, jede Betriebsanweisung und jede Unterschriftenliste, in deren Kopfzeile noch OHSAS 18001 steht, ist im Audit ein Gesprächspunkt. Das ist kein großer Posten, aber ein lästiger: Die Dokumente liegen in Ordnern, Intranets, Aushängen und in den Anhängen alter Kundenverträge. Wer die Umstellung nutzt, um die Dokumentenlenkung einmal sauber zu ziehen, spart sich diese Suche bei jedem Folgeaudit erneut.
8. Der Drei-Jahres-Zyklus danach. Nach der Erstzertifizierung folgen zwei Überwachungsaudits und im dritten Jahr die Rezertifizierung. Diese Folgekosten sind kein Nachgedanke, sondern der größere Teil der Gesamtsumme über die Laufzeit. Der Eintrag zum Drei-Jahres-Zyklus rechnet die Struktur durch.
Was den Preis nach oben treibt
| Faktor | Wirkung auf die Kosten |
|---|---|
| Lange Lücke seit dem letzten OHSAS-Audit | Aus einer Umstellung wird faktisch eine Erstzertifizierung |
| Gefährdungsbeurteilungen ohne Fortschreibung | Sie müssen vor dem Audit vollständig neu erstellt werden |
| Beteiligung nur auf dem Papier | Fehlende Nachweise führen zu Abweichungen und damit zu einem Nachaudit |
| Viele Fremdfirmen und Leiharbeit | Steuerung ausgelagerter Tätigkeiten wird zum eigenen Projektteil |
| Hohe Risikoeinstufung der Tätigkeiten | Die Auditdauer steigt gegenüber Betrieben mit Bürotätigkeit deutlich |
| Mehrere Standorte ohne einheitliche Regelungen | Das Stichprobenverfahren greift nicht, jeder Standort wird einzeln besucht |
| Schichtbetrieb | Auditoren müssen Schichten abdecken, die außerhalb der Regelarbeitszeit liegen |
| Altes Handbuch nur umnummeriert | Die Dokumentenprüfung fällt durch, bevor der Auditor überhaupt anreist |
| Getrennte Audits für Qualität, Umwelt und Arbeitsschutz | Anreise, Eröffnung und Abschluss fallen dreifach an statt einmal |
Wo sich sparen lässt
Das alte System als Substanz nutzen, nicht als Vorlage. Gefährdungsbeurteilung, Rechtskataster, Notfallplanung, Unterweisungen und Unfalluntersuchung sind inhaltlich weiterhin gültig. Sie werden übernommen, nicht neu geschrieben. Neu entsteht nur die Systemebene darüber. Wer das trennt, spart den größten Einzelposten der Umstellung.
Mit einem bestehenden Managementsystem zusammenlegen. Wenn im Haus bereits nach ISO 9001 oder ISO 14001 gearbeitet wird, teilen sich die Systeme Kontext, interessierte Parteien, Dokumentenlenkung, interne Audits und Managementbewertung. Die Umstellung schrumpft dann auf die arbeitsschutzspezifischen Kapitel. Auch beim Audit selbst lässt sich zusammenlegen: Ein integriertes Audit spart Anreise und Doppelungen, wie die Seite zu mehreren Normen im kombinierten Verfahren beschreibt.
Die Beteiligung dort verankern, wo ohnehin gesprochen wird. Schichtübergaben, Sicherheitsunterweisungen, Betriebsversammlungen, der Arbeitsschutzausschuss. Wer für den Nachweis eigene Formate erfindet, baut einen Termin, den nach dem Audit niemand weiterführt. Wer die vorhandenen Runden protokolliert und Ergebnisse zurückspielt, hat den Nachweis nebenbei.
Abweichungen vermeiden statt nachbessern. Ein Nachaudit kostet Anreise, Tagessatz und Wartezeit auf das Zertifikat. Die häufigsten Auslöser bei der Umstellung sind fehlende Beteiligungsnachweise und ein internes Audit, das noch der alten Struktur folgt. Beide lassen sich vorher abstellen; der Beitrag wie Sie Nachaudits vermeiden beschreibt das Vorgehen.
Den Zeitpunkt an den laufenden Auditkalender hängen. Wenn im Haus bereits nach einer anderen Norm zertifiziert wird, legen Sie das Erstaudit für den Arbeitsschutz auf den Termin des nächsten Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits. Anreise, Eröffnungs- und Abschlussgespräch sowie die Prüfung der gemeinsamen Systemteile fallen dann einmal an statt zweimal. Diese Zusammenlegung muss vor der Angebotserstellung angemeldet werden, weil die Zertifizierungsstelle den Auditplan sonst getrennt aufsetzt.
Prüfen, ob überhaupt ISO 45001 gefragt ist. Manche Auftraggeber verlangen kein Managementsystem, sondern einen Nachweis der Arbeitssicherheit auf der Baustelle oder in der Anlage. Dafür ist SCC das schlankere und günstigere Verfahren. Die Frage lautet nicht, was besser ist, sondern was der Kunde tatsächlich sehen will.
Was der Wechsel gegenüber anderen Nachweisen teurer oder günstiger macht
Gegenüber einer echten Erstzertifizierung ist die Umstellung günstiger, aber der Vorsprung liegt vollständig auf der internen Seite. Der Auditor rechnet nicht anders, nur weil früher ein OHSAS-Zertifikat existiert hat. Gespart wird an Vorbereitungszeit, an Beratungstagen und an der Zahl der Anläufe. Wer diesen Vorsprung nutzen will, muss das alte System noch vorfinden. Nach mehreren Jahren ohne externe Prüfung ist er aufgebraucht.
Gegenüber ISO 9001 oder ISO 14001 ist ISO 45001 im Auditaufwand tendenziell aufwendiger, weil die Risikoeinstufung der Tätigkeiten mit in die Berechnung der Auditdauer eingeht. Ein Metallbaubetrieb mit Schweiß- und Hebearbeiten wird im Arbeitsschutz länger auditiert als in der Qualität. Das ist kein Verhandlungsspielraum, sondern Vorgabe für die Zertifizierungsstelle, wie der Beitrag warum Audittage nicht verhandelbar sind erklärt.
Gegenüber SCC ist ISO 45001 aufwendiger, aber breiter anerkannt. SCC prüft die Arbeitssicherheit von Kontraktoren und deren Personal, ISO 45001 ein Managementsystem für den gesamten Betrieb. Wer beides braucht, weil unterschiedliche Auftraggeber unterschiedliche Dokumente verlangen, kann die Grundlagen teilen — Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungswesen, Unfallauswertung —, aber nicht die Prüfungen. Zwei Verfahren bedeuten zwei Termine und zwei Rechnungen.
Die praktische Konsequenz: Wer noch ein OHSAS-System im Schrank hat, sollte die Bestandsaufnahme sofort machen und nicht erst, wenn ein Kunde danach fragt. Der Unterschied zwischen einem gepflegten und einem verwaisten System ist der einzige Hebel, der in dieser Rechnung wirklich zählt — und er wird mit jedem Jahr kleiner.
